How to Defend in Chess | Colin Crouch

Geeignet für 1.600 – 2.200 DWZ*

Angreifen macht Spaß. Verteidigen deutlich weniger. Und genau deshalb wird die Verteidigung im Schach oft vernachlässigt – auch in der Schachliteratur. Colin Crouch widmet sich in How to Defend in Chess ausschließlich dieser oft unterschätzten Seite des Spiels.

Crouch beginnt mit allgemeinen Methoden der Verteidigung und untersucht anschließend ausführlich zwei Weltmeister, die auf ganz unterschiedliche Weise zu herausragenden Verteidigern wurden: Emanuel Lasker und Tigran Petrosian.

Zwei völlig unterschiedliche Arten zu verteidigen

Laskers Verteidigung war aktiv. Er stellte seinen Gegnern immer wieder praktische Probleme, suchte nach Gegenchancen und war jederzeit bereit, von der Verteidigung zum Gegenangriff überzugehen.

Petrosian ging einen anderen Weg. Er perfektionierte die von Nimzowitsch geprägte Idee der Prophylaxe. Statt einen Angriff erst abzuwehren, wenn er bereits gefährlich geworden war, nahm er dem Gegner seine Möglichkeiten möglichst früh. Oft verschwanden die Angriffschancen, bevor sie überhaupt richtig entstanden waren.

Gerade dieser direkte Vergleich macht den Reiz des Buches aus. Verteidigung bedeutet eben nicht einfach, passiv Figuren zusammenzuhalten. Manchmal muss man aktiv Gegenspiel erzeugen, manchmal die gegnerischen Möglichkeiten einschränken.

Lernen von zwei Weltmeistern

Crouch untersucht jeweils zehn Partien von Lasker und Petrosian sehr genau. Damit verfolgt er einen naheliegenden Ansatz: Wer eine Eröffnung lernen möchte, schaut sich die Partien guter Vertreter dieser Eröffnung an. Wer angreifen lernen möchte, studiert große Angriffsspieler. Warum sollte man beim Verteidigen anders vorgehen?

Das Buch will deshalb keine Sammlung einfacher Regeln nach dem Muster „In Stellung X spielt man Y“ sein. Stattdessen zeigt Crouch anhand kompletter Partien, wie zwei der besten Verteidiger der Schachgeschichte schwierige Stellungen behandelten, Probleme stellten und Niederlagen verhinderten – oder sogar noch gewannen.

Ein ungewöhnliches Thema

Schon deshalb hebt sich How to Defend in Chess von vielen anderen Trainingsbüchern ab. Angriffsbücher gibt es reichlich, Verteidigung wird dagegen deutlich seltener ausführlich behandelt.

Dabei gehört gerade sie zum praktischen Schach. Nicht jede Partie läuft nach Plan, nicht jede Stellung ist angenehm. Wer auch schlechtere Stellungen möglichst zäh spielen kann, rettet Punkte, die sonst verloren wären.

Das Buch ist eine Neuauflage eines älteren Gambit-Klassikers und umfasst 224 Seiten. Die Ausgabe ist auf Englisch erschienen.

Fazit

How to Defend in Chess behandelt ein Thema, das in vielen Schachbüchern zu kurz kommt. Besonders interessant ist der Gegensatz zwischen Laskers aktiver, auf Gegenangriff ausgerichteter Verteidigung und Petrosians prophylaktischem Ansatz.

Wer verstehen möchte, wie starke Spieler unter Druck reagieren und wie man auch in unangenehmen Stellungen weiter Probleme stellt, bekommt hier reichlich Anschauungsmaterial.


Details:

Erscheinungsjahr: 2022
Seiten: 224
Verlag: Gambit Publications
Sprache: englisch


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