Viswanathan „Vishy“ Anand, geboren am 11. Dezember 1969 in Madras, gilt als einer der elegantesten und beständigsten Schachspieler der modernen Ära. Er lernte das Spiel von seiner Mutter, gewann schon als Teenager nationale Titel und wurde 1988 der erste Großmeister Indiens – ein Meilenstein, der den Beginn einer neuen Schachepoche markierte. Mit seiner schnellen Auffassungsgabe und seinem blitzscharfen Spielstil erhielt er früh den Spitznamen „Lightning Kid“.
Anand stieg in den 1990er Jahren zu einem festen Bestandteil der Weltelite auf. Er lieferte sich Duelle mit den Größen seiner Zeit – Kasparow, Karpow, Kramnik – und wurde 2000 erstmals FIDE-Weltmeister. 2007, nach der Wiedervereinigung der Schachverbände, eroberte er den offiziellen Weltmeistertitel und verteidigte ihn über sechs Jahre hinweg. Seine Fähigkeit, sich immer wieder an neue Formate, Gegner und Spielstile anzupassen, machte ihn zu einem der vielseitigsten Weltmeister der Schachgeschichte.

Trotz seiner Erfolge blieb Anand stets bescheiden. Er war nie laut, nie exzentrisch, sondern bestach durch Ruhe und Präzision. Wo andere auf Provokation setzten, vertraute er auf die Klarheit seines Denkens. Diese Haltung machte ihn nicht nur zu einem Vorbild für unzählige junge Spieler, sondern auch zu einem Botschafter des Schachs – in Indien ebenso wie international.
In den letzten Jahren hat sich Anand zunehmend als Mentor und Förderer des Nachwuchses etabliert. Seine 2019 gegründete Akademie unterstützt Talente wie Gukesh, Praggnanandhaa und Arjun Erigaisi – Spieler, die ohne ihn vermutlich nie diesen Weg gegangen wären. Auch mit über 50 Jahren bleibt Anand aktiv, konkurrenzfähig und hoch angesehen – nicht als nostalgische Legende, sondern als lebendige Konstante des Weltschachs. Seit 2022 fungiert Anand als Vizepräsident des Weltschachverbandes FIDE .
Von Anand auf dieser Seite besprochenes Buch:

Alle Autoren findest du hier im ABC der Schachbuchautoren.
