Jan Hein Donner

Jan Hein Donner (1927–1988) war ein niederländischer Schachgroßmeister, Schriftsteller und eine der schillerndsten Figuren des Nachkriegsschachs. Geboren in Den Haag als Sohn des späteren Justizministers Jan Donner, wuchs er in einer streng calvinistischen Familie auf, entschied sich jedoch gegen eine bürgerliche Laufbahn und für das freie, oft bohemienhafte Leben als Berufsspieler und Autor.

Donner gewann die niederländische Meisterschaft dreimal (1954, 1957, 1958) und erhielt 1959 den Titel des Großmeisters. Er spielte zwischen 1950 und 1978 elfmal für die Niederlande bei Schacholympiaden. Zu seinen größten Erfolgen zählten Siege in Wijk aan Zee (1950, 1958 gemeinsam mit Max Euwe, 1963) und Venedig 1967, wo er vor Weltmeister Tigran Petrosian gewann. Sein spielerisches Talent galt als außergewöhnlich, seine Karriere jedoch als unstet – mangelnde Vorbereitung und Disziplin verhinderten den Sprung in die absolute Weltspitze.

By Bert Verhoeff for Anefo – [1] Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANEFO), 1945-1989, Nummer toegang 2.24.01.05 Bestanddeelnummer 929-6751, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20607983

Als Kolumnist und Essayist wurde Donner berühmt – und berüchtigt – für seine bissigen, provokanten Texte über Schach, Politik und Gesellschaft. Seine Kolumnen, gesammelt in De Koning (1987, engl. The King: Chess Pieces), zählen heute zur Schachliteratur. Donner schrieb mit Witz, Selbstironie und einer oft gnadenlosen Offenheit, die ihm Bewunderer wie Gegner einbrachte.

1983 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte, doch er schrieb weiter – mit einem Finger – für NRC Handelsblad und Schaaknieuws. 1987 erhielt er den Henriëtte Roland-Holst-Preis für seine literarischen Miniaturen Na mijn dood geschreven („Nach meinem Tod geschrieben“). Donner starb 1988 an einer Magenblutung und wurde auf dem Friedhof Zorgvlied beigesetzt.

Er blieb in Erinnerung als Genie, Provokateur und Intellektueller, der Schach als existenzielle Kunstform sah. Seine berühmte Selbsterkenntnis lautete:

„Ich liebe alle Stellungen. Nur gewonnene kann ich nicht ertragen.“

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